
UNSERE STORY VON EINEM NACHHALTIGEN WANDEL
WUASIKAMAS, DEM LEBEN MIT DER WEISHEIT DER VORFAHREN EINE NEUE BEDEUTUNG GEBEN
1980 – 2003
Konflikt, Abholzung und Drogenhandel in Aponte
Die indigene Gemeinschaft Aponte des Inga-Volkes war in den 1980er- und 1990er-Jahren direkt vom Elend des Drogenhandels, der Abholzung und des bewaffneten Konflikts in Kolumbien betroffen. In dieser Zeit wurden wöchentlich Tausende Tonnen Morphin und Heroin illegal angebaut.
Während dieser Zeit gingen über 10.000 Hektar der „heiligen” Berge des indigenen Territoriums verloren, während auf mehr als 2.500 Hektar Mohn (Papaver somniferum) angebaut wurde. Rund 150 Menschen wurden getötet und mehr als 200 Familien, darunter 95 % Angehörige der Inga-Gemeinschaft, gewaltsam vertrieben. An manchen Tagen verloren bis zu sieben Menschen ihr Leben.
Verantwortlich hierfür waren Guerillagruppen wie die Nationale Befreiungsarmee (ELN) und die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC-EP), paramilitärische Vereinigungen (AUC) sowie Bombardierungen und Glyphosat-Sprühungen durch Sicherheitskräfte und Konflikte zwischen Drogenhändlern, Neonparamilitärs und kriminellen Gruppen.
2002
Wahl einer neuen Führung
Ende 2002 wurde Hernando Chindoy Chindoy von der Inga-Gemeinschaft Aponte zum Gouverneur gewählt. Er sah sich mit der Herausforderung konfrontiert, seine Gemeinschaft, die ihre kulturelle Identität und den engen Bezug zur Natur teilweise aus den Augen verloren hatte, inmitten von Gewalt, Drogenhandel und Unsicherheit zu führen.
2003
Beginn der Transformation
Am 1. Januar 2003 trat Hernando Chindoy sein Amt an. Gemeinsam mit Jugendlichen, Frauen, Männern und insbesondere den Grossmüttern von Aponte entwickelte er die Initiative „WUASIKAMAS – Hüter der Erde”, eine politische, pädagogische und kulturelle Antwort auf Krieg, Drogenhandel und Abholzung. Gemeinsam gelang es der Gemeinschaft, die bewaffneten Gruppierungen gewaltfrei aus dem Territorium zu vertreiben und gleichzeitig neue Ressourcen aufzubauen, etwa durch den Anbau von Kaffee.
Der Begriff „Wuasikamas” stammt aus der Sprache der Inga von Aponte und bedeutet „Betreuer” oder „Wächter des Hauses”. Er verkörpert die historische Mission der Gemeinschaft, Leben und Territorium zu schützen. Chindoy griff das traditionelle Wissen der Inga sowie der Völker Siona und Cofán auf, um es neu zu beleben. Mithilfe alternativer Bildungsansätze formte er die „Wächter der Erde“ mit dem Ziel, die menschliche Würde und die Harmonie mit der Natur wiederherzustellen.
Er initiierte ein informelles Lernmodell, das auf biokulturellen Frieden ausgerichtet ist, und stärkte den Austausch zwischen traditionellem, kulturellem und wissenschaftlichem Wissen. Bildung wurde so zur „Medizin“, die Gemeinschaft und Natur heilt – ein Ansatz, der bemerkenswerte Ergebnisse im Umgang mit Krisen für Biodiversität, Mensch und Erde erzielt.
2017
Gründung Wuasikamas & Internationale Anerkennung
Die Initiative WUASIKAMAS wurde im Jahr 2017 von Hernando Chindoy und Cristina Rodríguez offiziell in Kolumbien als Organisation registriert. Gleichzeitig wurde „WUASIKAMAS Kaffee” als eigenständige Marke etabliert. Dies unterstützte den professionellen Anbau und Vertrieb und brachte dem Kaffee später sogar eine Auszeichnung für herausragende Qualität ein.
In diesem Jahr wurde WUASIKAMAS zudem mit dem Equatorial Prize 2015 ausgezeichnet. Diese internationale Auszeichnung wurde von der Equator Initiative des UNDP in Paris während der COP21 verliehen. Mit dieser internationalen Auszeichnung werden lokale und indigene Initiativen gewürdigt, die Armut reduzieren, die Natur schützen und den Klimaschutz fördern. Damit wurde auch die Wirksamkeit des Ansatzes von WUASIKAMAS bestätigt, bei dem traditionelles Wissen, nachhaltige Landwirtschaft und die Stärkung der Gemeinschaften miteinander verbunden werden.
2023
Wuasikamas International & Ëconeêrã
Nach der Anerkennung durch den Equator Prize und der damit verbundenen wachsenden internationalen Sichtbarkeit wurde im Jahr 2023 Wuasikamas International gegründet. Hernando Chindoy und Cristina Rodríguez trugen das Modell der WUASIKAMAS-Gemeinschaften über Kolumbien hinaus und schufen eine Plattform, um traditionelles indigenes Wissen, biokulturellen Frieden und nachhaltige Praktiken weltweit zu teilen.
Im selben Jahr erhielt Hernando den Titel Doctor Honoris Causa im Bereich Klimastudien und traditionelles Wissen indigener Völker von der University of the Arts London. Später, im Jahr 2025, wurde er als Preisträger der Marianne-Initiative in Frankreich ausgezeichnet. Darüber hinaus wirkt er in der Schweiz als internationaler Berater am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich.
Im Rahmen von WUASIKAMAS International wurde im Jahr 2024 Ëconeêrã – "Medicines that Heal the Earth", ein Projekt zur Förderung von Biodiversität durch höhere Bildung, das auf die Stärkung des biokulturellen Friedens und das menschliche Gedeihen ausgerichtet ist, gegründet. Für diese Initiative wurde WUASIKAMAS Ëconeêrã im Jahr 2025 mit dem Earthna Prize der Qatar Foundation ausgezeichnet.
Die Gründung von WUASIKAMAS International markierte einen entscheidenden Schritt, um das Netzwerk der „Hüter*innen der Erde” global zu verweben, den Dialog zwischen indigenem Wissen, Wissenschaft und internationalen Partner*innen zu fördern und die nächste Generation für den Schutz von Natur, Kultur und Frieden zu inspirieren.
2025
Gründung Wuasikamas Schweiz
Der Samen von Wuasikamas in der Schweiz wurde gesät, als Hernando Chindoy 2022 erstmals nach Europa reiste. Bei einem Vortrag in Zürich lernten Natalia und Reto ihn kennen und knüpften durch gemeinsame Gespräche eine besondere Verbindung zu ihm.
Nachdem Hernando Chindoy sein Amt als Gouverneur der Inga-Gemeinschaft in Kolumbien an seinen Nachfolger übergeben hatte, reiste er als Umweltaktivist mit seiner Frau Cristina Rodriguez und ihrem Sohn Inti quer durch Europa. Er hielt Vorträge über traditionelles indigenes Wissen und biokulturellen Frieden. Auf diesem Weg durften Natalia und Reto die Familie begleiten, und durch die gemeinsame Zeit entstand eine tiefe Freundschaft.
Aus dem gemeinsamen Wunsch, das Netz der WUASIKAMAS bis in die Schweiz zu spannen, entstand schliesslich WUASIKAMAS Schweiz. Heute ist die Organisation im Kanton Bern als gemeinnütziger Verein registriert.

