
DIE INGA – NACHFAHREN DER INKAS IN KOLUMBIEN
HÜTER VON WALD UND BIODIVERSITÄT
Obwohl indigene Gemeinschaften nur rund 6 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, befinden sich rund 80 Prozent der weltweiten Biodiversität in ihren Gebieten (UN 2024; CIFOR 2024). Mit ihrer Verdrängung droht nicht nur der Verlust des Regenwaldes, sondern auch der Verlust einer Lebensweise, die zeigt, dass Mensch und Natur im Gleichgewicht miteinander existieren können.
Die Inga, auch Inganos genannt, leben vor allem im Südwesten Kolumbiens. Sie sind in den Departamentos Putumayo, Nariño und Cauca verbreitet, insbesondere im Sibundoy-Tal und entlang der Flüsse des Amazonasbeckens.
Nach Überlieferungen und historischen Studien stammen die Inga von einer Inka-Kolonie ab, die im 15. Jahrhundert in diese Region kam. Viele Forschende gehen davon aus, dass sie Nachfahren einer Mitma-Gemeinschaft der Inkas sind, die vom Hochland Perus durch den Regenwald nach Kolumbien wanderte und sich im heutigen Putumayo niederliess.
Heute zählen die Inga mit etwa 20.000 bis 30.000 Angehörigen zu den grössten indigenen Gruppen Kolumbiens. Sie sprechen einen eigenen Dialekt des Quechua, das Inga Kichwa, und bewirtschaften traditionell Land für den Anbau von Mais, Bohnen, Maniok, Kaffee und Heilpflanzen. Die Inga verstehen sich als Beschützerinnen und Beschützer ihres Territoriums und setzen sich dafür ein, ihr Land als gemeinsames Erbe an künftige Generationen weiterzugeben.



Bedrohte Territorien und Raubbau an der Natur
Eines der grössten Probleme der Inga und vieler anderer indigener Gemeinschaften in Südamerika ist die Missachtung ihrer territorialen Rechte. Kolumbien hat mit der Ratifizierung der ILO-Konvention 169 und in seiner Verfassung den indigenen Völkern das Recht auf ihr angestammtes Land zugesichert.
In der Realität sind jedoch weite Teile des Inga-Territoriums im Putumayo und im kolumbianischen Amazonasgebiet durch Erdölkonzessionen, illegalen Bergbau, Holzfällung, Kokaanbau und bewaffnete Konflikte bedroht oder bereits zerstört. Immer wieder verlieren Familien ihr Land oder ihre Dörfer, weil Akteure dort Projekte umsetzen, ohne die Gemeinschaften vorher zu konsultieren. Dabei wäre dieses Mitspracherecht gesetzlich garantiert.
Die Missachtung der Landrechte führt unmittelbar zum Raubbau an der Natur. Der Einsatz von Quecksilber im illegalen Goldabbau verseucht Flüsse und Böden und gefährdet die Gesundheit der Menschen. Auch Brandrodungen, mit denen neue Weideflächen oder Monokulturen geschaffen werden, zerstören die Wälder und vernichten die Lebensgrundlage unzähliger Tier- und Pflanzenarten.
Was verloren geht, ist mehr als nur Land. Es ist der Verlust einer spirituellen und kulturellen Verbindung zwischen Mensch und Natur. Für die Inga ist der Wald kein blosses Ökosystem, sondern ein lebendiges Wesen, das gepflegt, respektiert und geschützt werden muss. Mit der Zerstörung ihrer Territorien verschwindet auch jahrhundertealtes Wissen über Heilpflanzen, nachhaltige Landwirtschaft und das Gleichgewicht des Lebens.


Die Bemühungen der Inga – Heilung von Erde und Leben
Krieg, Abholzung, Ausbeutung, Armut und Umweltverschmutzung bedrohen das Leben auf der Erde. Auch die Inga-Gemeinschaften leiden unter den Folgen dieser globalen Krise und den Narben, die bewaffnete Konflikte, illegale Rohstoffausbeutung und die Zerstörung ihrer Wälder hinterlassen haben.
Trotz dieser Herausforderungen haben sie einen Weg der Heilung und Erneuerung eingeschlagen. Sie verbinden altes Wissen mit neuen Formen des Lernens – eine Bildung, die Mensch und Natur, Wissen und Herz, Tradition und Wissenschaft miteinander vereint.
Aus dieser Bewegung ist WUASIKAMAS hervorgegangen, die Initiative von Hernando Chindoy Chindoy und Christina Rodriguez. Der Name bedeutet in der Sprache der Inga „Hüter der Erde“. WUASIKAMAS steht für das Engagement der Inga-Gemeinschaften, ihre Territorien, ihre Kultur und ihr Wissen zu schützen und gleichzeitig neue Wege der Zusammenarbeit zwischen indigenem und wissenschaftlichem Denken zu schaffen.
Es geht dabei nicht nur um den Schutz der Umwelt, sondern um ein umfassendes Verständnis von Heilung – der Heilung des Bodens, der Gemeinschaften und des menschlichen Bewusstseins.
Mehr über die Entstehung und Geschichte von WUASIKAMAS erfährst du unter Unsere Story.


